News vom 01.07.19 bis 31.07.19

1. Süd-Westharzstrecke: Unterstützung bei Verbesserung der Infrastruktur und Bahn/Bus-Anbindung von Osterode - Deutschlandtakt wird die eigentliche Herausforderung für Süd- und Nordharz (Stand: 02.07.2019)
2. Osterode – Göttingen: Den Blick auf das wirklich Sinnvolle und Machbare lenken (
Stand: 07.07.2019)
3. Walkenried: Baustelle in Walkenried - Busverkehr wird ab 15. Juli umgeleitet (Stand: 11.07.2019)
4. 150 Jahre Südharzstrecke Northeim – Nordhausen - die Jubiläumsfeier steigt am 11. August am Bahnhof Herzberg (
Stand: 14.07.2019)
 

1. Süd-Westharzstrecke: Unterstützung bei Verbesserung der Infrastruktur und Bahn/Bus-Anbindung von Osterode - Deutschlandtakt wird die eigentliche Herausforderung für Süd- und Nordharz (Stand: 02.07.2019)
Der Kreistagsbeschluss (https://sessionnet.krz.de/kreis_goettingen/bi/getfile.asp?id=7003717&type=do) zu durchgehenden Verbindungen zwischen Osterode und Göttingen beschäftigt die Bevölkerung im Südharz weiterhin. So sind vergangene Woche vom Rat in Bad Sachsa Gegenbeschlüsse gefasst worden (siehe Artikel im Harzkurier
https://www.harzkurier.de/lokales/bad-sachsa/article226335785/Sachsaer-Rat-Bahnlinie-aus-Nordhausen-soll-Vorrang-geniessen.html), die ein Abhängen vom östlichen Landkreis verhindern sollen.

Unterdessen trafen sich Vertreter der Initiative mit dem Osteroder Bürgermeisterkandidaten Andreas Röthke (CDU), dem Generalsekretär der CDU Niedersachsen Kai Seefried und weiteren CDU-Vertretern in Osterode, um Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung von Osterode zu erörtern.

Der Sprecher der Initiative Burkhard Breme stellte fest, dass der Kreistagsbeschluss wesentliche Aspekte nicht berücksichtigt hat.
Neben dem Abhängen des Südharzes wurde auch die immer noch unzureichende Betriebsqualität auf der Süd- Westharzstrecke zwischen Herzberg und Seesen ignoriert.
Bevor überhaupt Forderungen zu durchgehenden Zügen gestellt werden, müsse zuerst die Infrastruktur saniert werden. Hierzu gehören u.a. die Anhebung der Geschwindigkeit auf mindestens 100 km/h und die von DB Netz lang versprochene Erneuerung der Stellwerkstechnik. Bei Ausfällen wird zu dem die Ersatzteilversorgung immer schwieriger.

Der Generalsekretär sagte seine Unterstützung auf dem Weg zu einer besseren Infrastruktur und besseren Anbindung von Osterode mit Bahn und Bus zu.
In einem ersten Schritt sollen Beteiligte vom Bundesverkehrsministerium, dem ZVSN, Initiative und politischen Vertretern die als notwendig erachteten Maßnahmen besprechen

Was die Befürworter des Kreistagsbeschlusses überhaupt nicht auf dem Schirm hatten, ist der geplante Deutschlandtakt!

"Bei dem kleinen Denken des Kreistagsbeschlusses ging es nur um Osterode, aber es muss viel weiter gefasst werden. Der gesamte Nahverkehr im Südharz und im Nordharz steht vor starken Veränderungen und wir müssen die für uns richtige Richtung bestimmen.", sagte Burkhard Breme bei dem Treffen in Osterode.

Bislang konnten wir unser Ziel Göttingen zumindest mit schnellen Anschlüssen in Northeim erreichen. Der aktuelle Planungsstand vom Deutschlandtakt sieht für die Bewohner des Südharzes neben dem zwei-stündlichen Umsteigen in Northeim zusätzlich auch noch eine Umsteigezeit von 17-19 Minuten vor.
In Herzberg erhöhen sich die Umsteigezeiten von Osterode in Richtung Südharz. So wird nach Bad Lauterberg zukünftig mehr gewartet als gefahren.
Für Nordharzer und Einbecker fallen alle durchgehenden Züge nach Göttingen zugunsten eines 30 Minuten Taktes des Metronom auf der Strecke Hannover - Göttingen weg. 

Kreistagsbeschluss hin oder her. Der Deutschlandtakt ist das eigentliche Problem auf das wir uns im Südniedersachsen fokussieren müssen.
Hier gilt es frühzeitig Position zu beziehen und die negativen Auswirkungen, die der Deutschlandtakt mit sich bringt für den Südharzer Raum so gering wie möglich zu halten oder vielleicht sogar noch Verbesserungen zu erzielen
Burkhard Breme

2. Osterode – Göttingen: Den Blick auf das wirklich Sinnvolle und Machbare lenken (Stand: 07.07.2019)
Wer die Diskussion um die in der Kreistagsresolution geforderten direkten Züge zwischen Osterode und Göttingen aufmerksam verfolgt hat, konnte den Eindruck gewinnen, dass die Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ sich nur noch für die Stammstrecke Northeim – Nordhausen zuständig fühlt und für sie das Schicksal der Strecke Herzberg – Osterode – Braunschweig und damit die Anbindung von Osterode eher gleichgültig sei. Dem ist allerdings nicht so. Im Gegenteil: Wer es mit Osterode, aber eben auch mit der weiteren Entwicklung des Nahverkehrs im Südharz wirklich ernst meint, und das tut „Höchste Eisenbahn“ seit 25 Jahren, und sich obendrein den Blick für das Machbare und Finanzierbare bewahrt hat, kommt eben zu ganz anderen Schlüssen. Bedauerlicherweise gehen Sachargumente im Osteroder Wahlkampfgetöse allzu schnell unter, weswegen sie keineswegs weniger richtig sind.

Natürlich wäre die Einrichtung direkter Züge zwischen Osterode und Göttingen auch heute möglich. Nur: Sie brächten Osterode keinen zeitlichen Vorteil und würden zur Benachteiligung aller anderen Orte im Südharz von Nordhausen bis Bad Lauterberg führen. Der Fahrplan würde insgesamt nicht besser, sondern schlechter. Die Einrichtung direkter Osteroder Züge würde das Ende der durchgehenden Züge Nordhausen – Göttingen bedeuten, etwas, was sich niemand wirklich wünschen kann, da hierdurch das System ÖPNV im Südharz deutlich geschwächt würde. Die Gründe hierfür – unzureichende Infrastruktur des Bahnhofs Herzberg, der Zwang zum Fahrtrichtungswechsel, zusätzlich einzurichtende Pufferzeiten für Umsteiger – sind mehrfach dargelegt worden, ohne Eingang in die politische Willensbildung des Kreistages zu finden. „Höchste Eisenbahn“ erwartet, dass nunmehr die von den Räten in Bad Sachsa und Walkenried verabschiedeten Resolutionen, in denen die Beibehaltung der durchgehenden Nordhäuser Züge gefordert wird, zum Einlenken und zu einer entsprechenden Ergänzung des Resolutionstextes führen werden.

Fakten statt plakativer Forderungen: Was kann man für Osterode wirklich tun?

Mittels der durchgehenden Züge solle der neue Landkreis weiter zusammenwachsen. Dies und anderes waren im Rahmen der Debatte zu vernehmende Sätze, die geflissentlich ausklammern, dass andere Teile des Kreises dann an genau diesem Zusammenwachsen gehindert würden. Aber das ist Politik, und die lassen wir an dieser Stelle lieber weg und schauen auf die Fakten.

Nachdem die Strecke Herzberg – Seesen jahrelang auf der Abschussliste der Bundesbahn stand und sie zuletzt nur noch von wenigen Zügen von Montag bis Samstagnachmittag befahren wurde (an Sonntagen herrschte Betriebsruhe), kam infolge der Regionalisierung des Nahverkehrs im Rahmen der Bahnreform und der Übernahme der Verantwortung durch die Länder Bewegung in die Szene. Die LNVG in Hannover befürwortete die Beibehaltung der Strecke und führte zunächst zweistündlich verkehrende Züge Braunschweig – Bad Lauterberg ein, die in Herzberg mit den Zügen zwischen Göttingen und Nordhausen verknüpft wurden. Zwar wurde der Zugverkehr nach Bad Lauterberg dann abbestellt, der Zugverkehr zwischen Braunschweig und Herzberg wurde jedoch zu einem Stundentakt verdichtet, wobei vor einigen Jahren die noch bestehenden Lücken am Samstagnachmittag geschlossen worden sind, so dass heute die Züge von Montag bis Samstag stündlich in beiden Richtungen zwischen Braunschweig und Herzberg verkehren und in diesem „Taktknoten“ ebenso stündlich mit den Zügen nach Northeim – Göttingen und Nordhausen sowie den Bussen nach Bad Lauterberg und zurück verknüpft sind.

Die LNVG tat ein Übriges und ließ anstelle von Osterode und Osterode Süd die neuen Stationen Osterode Mitte und Osterode Leege mit deutlich besseren Zugangsmöglichkeiten und nunmehr möglicher Verknüpfung mit dem Linienbusverkehr in Osterode Mitte bauen. Damit wurde die Strecke ein weiteres Mal aufgewertet. Nur an Sonn- und Feiertagen muss sich die ehemalige Kreisstadt noch mit einem 2-Stunden-Takt und schlechten Anschlüssen in Herzberg begnügen. Schlecht, weil die verkehrenden Züge in Herzberg genau auf jene Züge der Südharzstrecke treffen, die eben nicht nach Göttingen durchfahren. Für die Nichtbestellung des Stundentakts an Sonn- und Feiertagen, der im Gegensatz zur Durchbindung niemandem schadet und enorm viel Nutzen stiften würde, führt die LNVG immer wieder an, dass man dies erst dann tun werde, wenn die Stellwerkstechnik namentlich in Gittelde und Münchehof auf das elektronische Stellwerk umgestellt sei.

Dies ist natürlich keine wirkliche Begründung, sondern nur der Versuch, die Deutsche Bahn zum Jagen zu tragen. Immerhin hinkt die Umstellung der Technik, im Vertrag zum Harz-Weser-Netz schriftlich zugesichert und von der LNVG mit massiven und dauerhaften Zugbestellungen quasi vorfinanziert, satte 10 Jahre hinter dem Zeitplan her. Darüber ist man in Hannover nicht erfreut und bestellt die Züge nicht. Fahren könnten sie – ausreichend Lokführer vorausgesetzt – schon ab Dezember 2019, denn technische Hürden gibt es hier nicht. Es geht ums Prinzip. Da könnte man ohne weiteres ansetzen und Druck aufbauen, aber das ist natürlich längst nicht so spektakulär wie die plakative Forderung durchgehender Züge auf dem Rücken anderer Kreisbewohner.

Verspätungsursachen abbauen statt Luftschlösser aufbauen

Die durchgehenden Züge sind die Taube auf dem Dach. Nimmt man freilich nur mündlich gemachte Aussagen im Kreistag für bare Münze, dann will ja niemand die Abschaffung der Nordhäuser Züge. Und wenn dem so ist, wird es keine durchgehenden Osteroder Züge geben. Denn wenn die LNVG die durchgehende RB82 Bad Harzburg – Göttingen nicht abschafft, und das wird sie nicht tun, kann nur jeder zweite Zug aus Richtung Herzberg nach Göttingen durchfahren, und das ist eben der Nordhäuser. Für einen weiteren durchgehenden Zug ist schlicht kein Platz.

Es gibt allerdings ein valides Argument für durchgehende Züge: Im Falle einer Verspätung aus Richtung Braunschweig muss man sich nicht ob des wartenden oder nicht wartenden Zuges in Herzberg aufregen – man sitzt ja schon drin! Aufregen müssen sich im Falle einer heftigen Verspätung – und nur die führt tatsächlich zum Anschlussbruch – dann eben alle Fahrgäste, auch die dann ja zum Umstieg gezwungenen aus Richtung Nordhausen, Ellrich, Walkenried, Bad Sachsa und Bad Lauterberg, weil ihre Anschlüsse in Göttingen zum Teufel sind. Aber es geht den Protagonisten ja um das Zusammenwachsen der beiden Städte Osterode und Göttingen – nur dieser! - und nicht um unwesentliche Anschlüsse im Fernverkehr.

Das Argument immer wieder verpasster Anschlüsse in Herzberg hat „Höchste Eisenbahn“ hinterfragt. Laut LNVG sind 2019 von 17 in Herzberg aus Braunschweig ankommenden Zügen im Tagesdurchschnitt 1,26 Züge mehr als 5 Minuten zu spät, d.h. statistisch gesehen einer pro Tag, manchmal zwei. Nur in diesen Fällen wackelt der Anschluss wirklich, obschon versucht wird, auch da zu warten und Umsteiger mitzunehmen. Bei unter 5 Minuten ist es zwar etwas stressig, aber DB Netz und DB Regio schwören, dass dann der Anschluss hergestellt wird. Die Bedeutung des Anschlusses ist den Beteiligten schon klar, aber irgendwann muss der Northeimer Zug raus, um seinerseits einigermaßen pünktlich dort bzw. in Göttingen anzukommen, denn auf der dicht belegten Strecke im Leinetal wird jedes Abweichen vom Plan gnadenlos bestraft. In der Gegenrichtung tritt das Problem so gut wie nie auf. Wenn es auftritt und der Zug nach Osterode warten muss, hat das – bei mehr als 5 Minuten – aber sogleich wieder Auswirkungen auf den von Braunschweig her entgegenkommenden Zug, denn irgendwo auf der eingleisigen Strecke muss man sich ja begegnen, und ist ein Zug verspätet, muss der andere warten, und der Teufelskreis beginnt sich zu drehen.

Grund hierfür ist auch die Bahnreform. Mit ihr gelangte, übrigens von Rot-Grün und besonders dem damaligen Kanzler Schröder quasi als Heilsbringer gerufen, Hartmut Mehdorn auf den Stuhl des Bahnchefs, und der hinterließ, um die Bahn fit für den dann doch nicht erfolgten Börsengang zu machen, eine infrastrukturelle Trümmerlandschaft, für die er von Rechts wegen eingesperrt gehört hätte. Gleis um Gleis, Weiche um Weiche wurde ausgebaut. Die Zahl der Mitarbeiter wurde drastisch reduziert, vorbeugende Wartung wurde auf den Index nicht nötiger Arbeiten gesetzt. Nach dem Abgang Mehdorns führte die Unternehmensberatung McKinsey, frei von jeglicher Ahnung vom Bahnbetrieb, diesen Kurs unter Rüdiger Grube fort. Allenfalls Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 wurden gefördert, für die Bahn in der Fläche war immer weniger da. Jede neue Schwelle musste mühsam erstritten werden – in diesem Zusammenhang sei an die jahrelangen Auseinandersetzungen von „Höchste Eisenbahn“ mit DB Netz erinnert, als die technische Stilllegung der Südharzstrecke nur noch eine Frage der Zeit war. Diesem immensen Rückstau rennen wir noch heute hinterher, und erst jetzt bekennt man sich in Berlin zu einer wirklichen Aufstockung der Mittel im Rahmen der „Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III“, wobei ein Teil hiervon freilich schon wieder durch die immens gestiegenen Preise im Bausektor aufgefressen werden. Gewinne, die die Deutsche Bahn zeitweise machte, wurden nicht etwa in das Schienennetz gesteckt, sondern zum Kauf von teilweise höchst fragwürdigen „Schießbuden“ im Ausland verwendet.

Warum wird das so langatmig ausgebreitet? Weil es einerseits zeigt, wie Verkehrspolitik bis heute tickt (die Reihe der Bundesverkehrsminister ist lang, aber ein wirklich brauchbarer war in den letzten 15-20 Jahren nie dabei, und wenn, dann wurde er, wie weiland Herr Bodewig, vom Kanzler abserviert, weil er es gewagt hatte, Hartmut Mehdorn zu widersprechen). Und weil eben diese Entwicklung Schuld an den Zugverspätungen hat. Aber: Man kann gegensteuern! Meint man es wirklich gut mit Osterode, dann muss hier und in allererster Linie auch schnell der Hebel angesetzt werden.

Veraltete Infrastruktur verlangsamt die Abwicklung von Zugkreuzungen

Zwischen Braunschweig und Herzberg gibt es – bei bis auf die Abschnitte Braunschweig Hbf – Leiferde und Neuekrug-Hahausen – Seesen, die aber auch mit anderen Zügen belegt sind, eingleisiger Strecke – genau zwei Stellen, wo sich die Züge begegnen können: Salzgitter-Ringelheim und Gittelde-Bad Grund. Die Zeit zwischen der Ankunft des einen und der des anderen Zuges beträgt in beiden Fällen weniger als 5 Minuten. Hat einer der Züge mehr als diese 5 Minuten Verspätung, trifft es automatisch auch den Gegenzug. Wird die Zugkreuzung wegen sehr großer Verspätung eines Zuges zum nächsten Kreuzungsbahnhof verlegt, also zum Beispiel nach Seesen oder auf die zweigleisige Strecke zwischen Seesen und Neuekrug-Hahausen oder nach Münchehof, wo es mit Ach und Krach noch im Güterbahnhof geht – war es das, denn dann sind schnell 15 Minuten beisammen. Selbst der Knotenbahnhof Seesen wurde solcherart verstümmelt, dass sich dort Züge nicht mehr begegnen können. Hinzu kommt, dass man sich mit der Umstellung der Stellwerkstechnik furchtbar viel Zeit gelassen hat und hoffnungslos im Rückstand ist. Die Bahnhöfe Salzgitter-Bad und Seesen werden inzwischen zwar ferngesteuert, in Münchehof und Gittelde werden aber noch die Hebel geschwungen. Nicht ohne Folgen: Die Technik ist zwar sicher, aber völlig veraltet, wenn Drähte reißen oder Hebel klemmen, gibt es kaum noch Ersatzteile, und wenn es die gibt, fehlt der Techniker, der noch weiß, wie man sie einbaut… Jedwede technische Störung in Gittelde zieht Verspätungen nach sich. Die dortigen Fahrdienstleiter fassen die Hebel buchstäblich mit Samthandschuhen an, damit nur alles hält. Ihnen und einigen einsatzwilligen Technikern verdanken wir, dass es gegenwärtig überraschend stabil läuft, doch muss die Umstellung schnellstens erfolgen. Dies wäre ein weiteres lohnendes politisches Thema, aber es ist, wie der sonntägliche Stundentakt, eben nicht für Wahlkämpfe geeignet…

Es geht weiter: Die Alttechnik verlangsamt die Abwicklung von Zugkreuzungen in beiden Bahnhöfen nachhaltig. Erst wenn in Gittelde der erste Zug zum Stehen gekommen ist, kann die Fahrstraße geändert, können die Weichen umgelegt und kann schließlich das Signal für den Gegenzug gestellt werden. Ist dieser dann da, muss er erst abgefahren sein, bevor wiederum für den zuerst eingefahrenen Zug die Weiche gestellt und die Ausfahrt gezogen werden kann. Im Prinzip geht das beim elektronischen Stellwerk genauso, nur eben spürbar schneller. 2-3 Minuten sind da schon drin, und die können im Fall einer Verspätung schon entscheidend sein. In Salzgitter-Ringelheim kommt hinzu, dass man zwar die Station pompös umgebaut, auf der „Braunschweiger Seite“ aber leider den höhengleichen Überweg zwischen den Bahnsteigen beibehalten hat: Der von Braunschweig einfahrende Zug muss sich ab Einfahrsignal Ringelheim buchstäblich in den Bahnhof schleichen. Auch hier geht locker eine Minute, wenn nicht mehr, verloren. Die Verlängerung der Unterführung wollte man vor einigen Jahren nicht (zu teuer, nicht nötig – so wird entschieden, wenn Nicht-Fachleute das Sagen haben oder Manager entscheiden, die nur auf ihr Ergebnis und nicht auf Wirkung beim Kunden schauen), im neuen Nahverkehrsplan der Region Braunschweig spricht man das Thema immerhin an. Schafft man diese infrastrukturellen Themen aus der Welt, hat man wirklich etwas für die Westharzstrecke erreicht, und zwar insgesamt und nicht nur für den einen Halt in Osterode. Hieran arbeiten wir uns seit langem ab – und können uns nicht erinnern, jemals von einem Politiker aus Osterode hierin unterstützt worden zu sein… Deswegen ist es aber trotzdem der einzig sinnvolle Ansatz.

Weiter: Zwischen Seesen und Herzberg könnte durchaus schneller gefahren werden. Das würde nochmals 2-3 Minuten bringen und zusammen mit den schnelleren Kreuzungen jedwedes Verspätungsproblem dämpfen. Dazu müssten aber Einschaltkontakte von Bahnübergängen verlegt werden, damit diese schneller schließen. Jeder, der mit dem Zug zwischen Seesen und Herzberg unterwegs ist, merkt, dass da mit gebremsten Schaum gefahren wird, obwohl zum Beispiel der Abschnitt Osterode Leege – Herzberg Schloß fast schnurgerade verläuft. Dazu muss man natürlich Geld in die Hand nehmen. Wenn man es gut meint mit der umwelt- und klimafreundlichen Schiene, sollte es da sein… Fahrplantechnisch wäre immerhin zu prüfen, ob wirklich jeder Zug in Leege halten muss, aber das ist „ultima ratio“, wenn man noch 1-2 Minuten finden muss. Übrigens: Der „Deutschlandtakt 2030+“ sieht eine Beschleunigung des Zugverkehrs hier vor, weil es ansonsten mit den Anschlüssen nicht mehr hinhauen würde – aber, wie schon der Titel besagt, geht es um die Zeit nach 2030, und darauf wollen wir eigentlich nicht warten.

Bus und Zug über Katlenburg bringen 10-15 Minuten Beschleunigung

Schafft man das Verspätungsproblem aus der Welt, gibt es wirklich keinen Grund mehr, auf durchgehenden Zügen zu beharren. Aber deswegen ist man immer noch nicht schneller in Göttingen. Mit durchgehenden Zügen wäre es man übrigens auch nicht, im Gegenteil, wegen der Anschlussproblematik aus Richtung Nordhausen kämen noch ein paar Minuten dazu. Will man also schnellere Verbindungen vor allem im Berufsverkehr schaffen, muss man sich mit einer Bus/Zug-Kombination auseinandersetzen.

Wer sich aufmerksam auf der Station Katlenburg umsieht, stellt fest, dass etliche Osteroder das Problem für sich bereits gelöst haben, nur eben unter dem im Grunde nicht sinnvollen Einsatz des eigenen Pkw. Sie nutzen diesen, um auf allerschnellsten Wege von Osterode bis Katlenburg zu kommen, um dann mittels Zug die morgendlichen Staus in Northeim und Göttingen zu umfahren. Das ginge auch per Bus. Die entsprechende Linie Osterode – Dorste – Katlenburg gibt es ja, nur verkehrt sie unregelmäßig, ist vorwiegend an Schultagen nutzbar und braucht wegen etlicher Schlenker unterwegs zu lange. Zudem ist sie in Katlenburg auf die Buslinie nach Northeim ausgerichtet und nicht auf den Zug, obschon der Bus praktisch bis an den Bahnsteig heranfahren kann. Nur einmal am Nachmittag gibt es eine schlanke Verbindung Göttingen – Katlenburg – Osterode, die die Fahrzeit über Herzberg auch leicht unterbietet. Setzt man hier am Morgen und am Nachmittag im Berufsverkehr einen „Schnellbus“ ein, der nur einmal in Dorste hält, kann man ergänzend zu einem – stabilisierten – Zugverkehr über Herzberg praktikable und gute Verbindungen mit Göttingen schaffen.

Das schöne hieran ist: Man schadet – im Unterschied zu den durchgehenden Zügen – niemandem und bietet für den Stadtteil Dorste sogar noch einen Mehrwert.

„Höchste Eisenbahn“ fordert, sich mit diesem Lösungspaket ernsthaft zu befassen. Es brächte Osterode Vorteile, ohne anderen Kreisbewohnern auf die Füße zu treten. Es ist umsetzbar, was der durchgehende Zug nur mit massiven Kollateralschäden wäre. Es wäre der wirkliche Nachweis, dass man etwas zur Verbesserung des ÖPNV tun will und nicht nur Werbung für sich selbst machen möchte.
Michel Reinboth

3. Walkenried: Baustelle in Walkenried - Busverkehr wird ab 15. Juli umgeleitet (Stand: 11.07.2019)
Die Walkenrieder Großbaustelle in der Bahnhofstraße hat schon bisher zu erheblichen Problemen beim Linienbusverkehr geführt. Zwar war auf der Umleitungsstrecke ein Halteverbot ausgeschildert und so der durchgehende Busverkehr sichergestellt, doch war das für viele Verkehrsteilnehmer offenbar kein Grund, dort nicht zu Parken. Immer wieder wurde der Busverkehr auch durch disziplinlose Lkw-Fahrer, die trotz Verbot mitten durch die Baustelle fuhren, gestört.

Nun kommt es ab Montag, den 15. Juli noch dicker. Wegen der Totalsperrung der Bahnhofstraße im Bereich der Einmündung Sachsaer Weg kann der Bahnhof Walkenried auch mittels Ersatzhaltestelle nicht mehr angefahren werden. Auch die Haltestellen in Neuhof werden vorübergehend nicht bzw. in anderer Form bedient.

Linienführung Montag bis Freitag

Die Busse der Linie 470 verkehren ab Bad Sachsa Am Kurpark wie bisher bis zum Bahnhof Bad Sachsa und von dort durch den Blumenberg ohne Halt bis Walkenried Grundschule. Dort wenden sie und fahren auf dem gewohnten Linienweg über Zorge nach Braunlage. Auch in der Gegenrichtung wird so verfahren. Der Bahnhof Walkenried, Neuhof Kirche und Neuhof Sachsenstein werden nicht angefahren.

Die Busse der Linien 472 verkehren ab Bad Sachsa Am Kurpark wie gewohnt zunächst nach Tettenborn Kolonie und Tettenborn, bedienen danach Neuhof Harzstraße regulär, Neuhof Kirche und Sachsenstein zum Aussteigen und fahren ab dort ebenfalls durch den Blumenberg bis Walkenried Grundschule und von da auf dem gewohnten Linienweg über Wieda nach Braunlage. Zurück wird ebenso verfahren, wobei in Neuhof Sachsenstein, Kirche und Harzstraße in Richtung Bad Sachsa zugestiegen werden kann.

Wegen des längeren Fahrweges sind zwischen Walkenried und Braunlage Verzögerungen von 5 bis 10 Minuten nicht zu vermeiden. In der Gegenrichtung ist bei der Ankunft in Bad Sachsa mit einer Verzögerung von ca. 5 Minuten zu rechnen.

Linienführung am Wochenende

Grundsätzlich wird am Wochenende ebenso verfahren. Die Busse der Linie 472 verkehren ab Braunlage wie im Fahrplan vorgesehen von Wieda auf direktem Weg durch den Blumenberg zum Bahnhof Bad Sachsa und von dort weiter nach Bad Sachsa Am Kurpark. Dort wenden sie auf die Linie 470, fahren aber wiederum durch den Blumenberg nach Walkenried Grundschule und von dort weiter über Zorge nach Braunlage. Umgekehrt kommen die Kurse der Linien 470 von Braunlage nur bis zur Walkenrieder Grundschule und fahren ab dort durch den Blumenberg nach Bad Sachsa Am Kurpark, um dort auf die Linie 472 zu wenden. Neuhof kann am Wochenende leider nicht angefahren werden. Tettenborn wird an Samstagen wie gewohnt durch drei Stichfahrten ab Bad Sachsa bedient.

Bahnhof Walkenried aus und in Richtung Göttingen

Reisenden, die mit dem Zug aus Richtung Göttingen – Northeim – Herzberg ankommen und in Richtung Wieda, Zorge und Braunlage weiter wollen, haben ab Bahnhof Walkenried die Möglichkeit, mit einem Fußweg von ca. 10 Minuten die nächstgelegene Haltestelle Walkenried Grundschule zu erreichen (ab Bahnhof den kleinen Steig zum Sachsaer Weg, ab dort durch die Poststraße und den Lindenweg zur Grundschule. Bei Ankunft der Züge zur Minute .52 und Abfahrt der von Bad Sachsa kommenden Busse an der Grundschule frühestens zur Minute .15 reicht die Zeit hierfür aus. Umgekehrt können Reisende aus Richtung Braunlage, Zorge und Wieda an der Grundschule aussteigen und ab dort durch Lindenweg und Poststraße zum Bahnhof laufen. Bei Ankunft der Busse zur Minute .37 oder .39 und Abfahrt der Züge zur Minute .03 ist die Zeit für den Fußweg ausreichend.

Am Wochenende bestehen bei der Linie 472 die gewohnten Umsteigemöglichkeiten am Bahnhof Bad Sachsa. Bei der Linie 470 sind die Umsteigezeiten in beiden Richtungen am Bahnhof Walkenried ebenfalls ausreichend (Ankunft aus Braunlage an der Grundschule .38, Abfahrt an der Grundschule in Richtung Braunlage zur Minute .21).

Linienplan:

Linie 470 ab 15.07.2019

Braunlage, Hohegeiß, Zorge wie bisher, dann

 

Walkenried Vor der Aue

Walkenried Grundschule                                                            Bus wendet und fährt über L604

Walkenried Bahnhof                                     entfällt

Neuhof Kirche                                                  entfällt

Neuhof Sachsenstein                                    entfällt

Bad Sachsa Bahnhofstraße                         neu

Bad Sachsa Bahnhof                                                                     ab hier ca. 5-10 Min später

Bad Sachsa Bahnhofstraße

Bad Sachsa Uffeplatz

Bad Sachsa Marktstraße

Bad Sachsa Rathaus

Bad Sachsa Am Kurpark

 

Linie 472 ab 15.07.2019 (Montag bis Freitag)

Braunlage, Wieda wie bisher, dann

 

Walkenried Nordhäuser Straße

Walkenried Grundschule                                                            Bus wendet und fährt über L604

Walkenried Bahnhof                                     entfällt

Bad Sachsa Bahnhofstraße                         neu

Neuhof Sachsenstein                                    neu

Neuhof Kirche                                                  neu

Neuhof Harzstraße                                                                        ab hier ca. 5 Min später

 

Tettenborn, Tettenborn Kolonie, Bad Sachsa  wie bisher

Bahnhof Walkenried aus und in Richtung Nordhausen

Da die Züge aus Nordhausen zur Minute .03 in Walkenried ankommen, kann Montag-Freitag der Anschluss an den nächsten Bus nicht erreicht werden. Umgekehrt reicht die Umsteigezeit nicht aus, um ab Grundschule den nächsten Zug nach Nordhausen zu erreichen. Am Wochenende kann der Übergang aus Richtung Nordhausen zu den an der Grundschule zur Minute .21 nach Braunlage abfahrenden Bussen erreicht werden, umgekehrt ist aber auch hier ein Übergang erst auf den Folgezug möglich.

Die Firma Hahne bittet alle ihre Kunden um Verständnis. Die Umleitungen sollen voraussichtlich Anfang August wieder aufgehoben werden, gelten also für ca. 2 bis 2 ½ Wochen. Das genaue Ende wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Michael Reinboth

4. 150 Jahre Südharzstrecke Northeim – Nordhausen - die Jubiläumsfeier steigt am 11. August am Bahnhof Herzberg (Stand: 14.07.2019)
Der 150. Geburtstag der Südharzstrecke wird nicht nur durch die Herausgabe einer entsprechenden Jubiläumsschrift gewürdigt, sondern auch durch eine zünftige Geburtstagsfeier. Sie steigt am 11.8.2019 von 10 bis 16 Uhr an der zentralen Drehscheibe des Südharzer Nahverkehrs, dem Bahnhof Herzberg. Ausgerichtet wird sie von der Deutschen Bahn Regio, die den Zugverkehr auf unseren Strecken durchführt, und den Städten Herzberg am Harz und Bad Lauterberg im Harz. Im Hintergrund ist die Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ mit dabei.

Zugtaufe und Sonderfahrten mit einem Schienenbus

Die Veranstalter haben sich um ein buntes Programm bemüht, um viele Besucher zum Bahnhof zu locken. Um 11 Uhr wird ein auf unseren Strecken eingesetzter Triebwagen der Baureihe VT648 vom Bad Lauterberger Bürgermeister auf den Namen „Bad Lauterberg im Harz“ getauft. Kurz vorher wird ein historischer Triebwagen der Baureihe VT98, also ein „Schienenbus“, der über Jahrzehnte hinweg das Bild der Strecke zwischen Northeim und Walkenried dominierte, von Nordhausen kommend in den Bahnhof einfahren. Dieser Zug wird im Laufe des Tages zwei Mal zwischen Herzberg und Northeim pendeln und danach wieder nach Nordhausen zurückkehren. Der dreiteilige Triebwagen wird von der „Wisentatalbahn“ in Thüringen betrieben, lädt zur Mitfahrt ein und bietet Platz für ca. 100 Personen.

Fahrkarten für die Sonderfahrten werden im Zug verkauft. Dabei sind zwei Zugbegleiter im Einsatz, die schon am 12.11.1989 aktiv waren, als erstmals nach 44 Jahren wieder Personenzüge über die Grenze fuhren. Albert Koch und Hans-Werner Reichardt lassen es sich nicht nehmen, bei der Jubiläumsfeier mitzuwirken. Der genaue Fahrplan mit allen Haltestellen und die Liste der Fahrpreise werden in Kürze bekanntgegeben werden.

Musik, Modellbahn, Ausstellung, Esperanto, Infostände

Am Bahnhof selbst herrscht den ganzen Tag über Betrieb. Zwei Mal werden Herzberger Kapellen ihre Kunst zum Besten geben: Das Blasorchester im Rahmen der Zugtaufe und das TambourCorps von 13 bis 14 Uhr. Die Herzberger Modelleisenbahner bauen mehrere Module im Aufenthaltsraum der DB Regio im Flachbau neben dem Bahnhofsgebäude auf und führen ihr schönes Hobby vor. Der Walkenrieder Geschichtsverein organisiert zusammen mit dem Herzberger Heimat- und Geschichtsverein eine kleine Bilderausstellung zur Streckengeschichte und bietet diverse Bücher zur Strecke Northeim – Nordhausen zum Verkauf an. Die Herzberger Esperantofreunde sind durch ihren früheren Vorsitzenden Joachim Gießner in besonderer Weise mit dem Bahnhof verbunden und lassen es sich nicht nehmen, etwas zu ihrem interessanten Hobby zu erzählen.

Eine Besonderheit ist der „Eisenbahn-Flohmarkt“. Hierzu haben mehrere Bahn-Historiker und Sammler ihre Bestände durchgesehen und bieten alte Kursbücher, Fahrpläne und vieles andere rund um die Bahn zum Verkauf und zum Tausch an. Das Besondere daran: Der Erlös dieses Flohmarkts ist für den „Eisenbahn-Waisenhort“ bestimmt, wird also einem guten Zweck zugeführt. DB Regio, PRO BAHN und andere sind mit Infoständen vertreten. Natürlich ist auch für andere Unterhaltung sowie Speis und Trank gesorgt. Ein Kinderkarussell wird sich drehen, Kinder können sich schminken lassen, es gibt Crepes und Kaffee und selbstverständlich neben diversen alkoholfreien Getränken auch ein kühles Bier.

Gelegenheit zum Austausch

Die Initiatoren der Feier wollen mit ihren Besuchern ins Gespräch kommen – zum Beispiel über den aktuellen Betrieb auf den Strecken rund um Herzberg und die Wünsche der vorhandenen und potenziellen Kunden, über mögliche Fahrplanverbesserungen, über das Programm Bahn- und Bus-Scout, über die schönen Berufe eines Lokführers und eines Zugbegleiters oder aber über Ereignisse während der 150 Jahre Streckengeschichte.

Die „Südharzstrecke“ ist ein wichtiger Bestandteil der Südharzer Verkehrsinfrastruktur. Ihre Bedeutung wird in Zukunft noch steigen, denn erklärte Ziele der Bundesregierung sind eine bessere Nahverkehrsversorgung des „flachen Landes“ und im Rahmen des Klimaschutzes auch ein höherer Stellenwert des öffentlichen Nahverkehrs. Was heute schon geht und was man in Zukunft noch besser machen könnte – dies und anderes sind Gesprächsthemen.
Michael Reinboth

 

 


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