News vom 01.05.19 bis 31.05.19

1. Nordhausen/Erfurt: Frühzug ohne Zusteigemöglichkeit - Ministerium für Infrastruktur übernimmt frei erfundene Fahrgastzählungen der NVS - Initiative fordert sofortige Zusteigemöglichkeit (Stand: 05.05.2019)
2. Harz / Deutschland Fahrplanhefte: +++ A
ktualisierung des SIMPLEX-Fernbusfahrplans mit Fernbussen durch den Harz von SIMPLEX Mobility (Stand: 05.05.2019)
3. Pressemitteilung des ZVSN: Mehr Busse und HATIX im Südharz „Harz-nah-dran“ - Mit dem ÖPNV den Harz entdecken
(Stand: 05.05.2019)
4. Kreistagssitzung am 23.05.2019 in Göttingen: Antrag auf Schaffung einer Schienendirektverbindung zwischen Osterode und Göttingen - Stellungnahme der Initiative (Stand: 19.05.2019)

 

1. Nordhausen/Erfurt: Frühzug ohne Zusteigemöglichkeit - Ministerium für Infrastruktur übernimmt frei erfundene Fahrgastzählungen der NVS - Initiative fordert sofortige Zusteigemöglichkeit (Stand: 05.05.2019)

Fehlende Zusteigemöglichkeit in den ersten Zug zwischen Nordhausen - Ellrich - Walkenried
Die fehlende Zusteigemöglichkeit in den ersten Zug von Nordhausen nach Göttingen auf dem Gebiet des Freistaates Thüringen soll nach einem Schreiben des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft auch im Fahrplanjahr 2020 Bestand haben.

Den Fahrgastzählungen -bei einem noch nie von montags bis freitags gefahrenen Zug- der NVS Thüringen schließt sich das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft ungeprüft an. So heißt es von dort, dass der Freistaat Thüringen diese Verbindung geprüft und sich mit Blick auf die geringen Fahrgastzahlen gegen eine Bestellung entschieden habe. Die Mehraufwendungen stünden in diesem Fall in keinem vertretbaren Verhältnis zu den durchschnittlich nur 1 bis 4 Fahrgästen.

Nach Informationen der NVS entstünden Mehrkosten zwischen der Leerfahrt und der regulären Zugfahrt von > 3.000 € pro Jahr. Das sind nach Berechnungen der Initiative bei 51 Wochen und fünf Fahrten pro Woche 255 Verkehrstage mit ca. 12€ pro Tag. Selbst bei den angegebene 3 Fahrgästen ab Nordhausen würde sich der Zug also rechnen, da diese keineswegs weniger als 4€ pro Fahrt bezahlen. Sollten sich, wie zu erwarten, einige Kunden mehr einfinden, übersteigen die Mehreinnahmen bereits die Mehrkosten.
Ebenso ist es wahrscheinlich, dass einige Reisende auch wieder zurückfahren würden und dadurch insgesamt neue Kunden gewonnen werden könnten. Es ist also auch in diesem Punkt vollkommen unklar, wieso der Zug nicht bestellt werden soll.

Darüber hinaus haben sich die NVS Thüringen und das Ministerium nie mit der Frage auseinandergesetzt, dass zumindest der Halt in Ellrich bestellt wird.
In Ellrich werden die beiden Triebwagen aktuell getrennt. Der Vordere fährt nach Göttingen weiter, der Hintere fährt nach Nordhausen zurück.

"Die sofortige Zusteigemöglichkeit auf Thüringer Seite muss geschaffen werden" fordert der Sprecher der Initiative Burkhard Breme und ergänzt, dass durch die Verantwortlichen im Ministerium von Birgit Keller (Die Linke) längst vergessene Grenzen wieder in das Gedächtnis gebracht werden.

Azubi-Ticket gilt nicht zwischen Nordhausen und Ellrich oder doch...?
Auch beim Azubi-Ticket Thüringen ist das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft lasch unterwegs.
Es ist unklar auf welchen Strecken das Ticket gilt. Die Südharzstrecke ist nicht eingezeichnet (siehe Screenshot und
https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/angebotsberatung/regio/azubiticket_thringen/mdb_277999_azubiticket_folder.pdf.), obwohl das Azubi-Ticket hier gelten müsste.
Richtig ist hingegen, dass das Ticket nicht bei der HSB gilt und folgerichtig nicht als Bahnlinie eingezeichnet ist. Warum bei der HSB eine Ausnahme gemacht wird ist nicht klar.

Das Ticket muss nach Ansicht der Initiative auch bei der HSB gelten.

Die Unklarheiten gehen auch bei der Karte vom Liniennetzplan der NVS weiter: Hier fehlt die RB 81 Nordhausen - Bodenfelde (siehe Screenshot Liniennetzplan Thüringen).


Screenshot der Linien auf denen das Azubi-Ticket gültig ist und Liniennetzplan

Was ist also los bei der NVS?
In den vergangenen 20 Jahren hat die NVS -aus Sicht der Initiative- sehr gute Arbeit geleistet, jedoch soll in der jetzigen Legislaturperiode des Thüringer Landtags die NVS komplett in das Landesamt für Bau und Verkehr im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
integriert werden. Vor diesem Schritt hat schon ProBahn nach Bekanntwerden der Pläne im Jahr 2017 gewarnt. Das Thüringer Finanzministerium spricht in ihrem Medienbericht von "schlanken leistungsfähigen und zukunftsfesten Verwaltungsstrukturen".

Der Sprecher der Initiative Burkhard Breme fasst die Vorgänge so zusammen: "Die Verantwortlichen der NVS und im Ministerium haben aufgrund der Umwandlung zu einer Behörde sehr viel mit sich selbst zu tun. 20 Jahre gute Erfahrung der NVS gehen für nichts und wieder nichts den Bach runter. Auf der Strecke bleiben die Kunden, die nicht in die vorbeifahrenden Züge einsteigen dürfen!".
Burkhard Breme 

2. Harz / Deutschland Fahrplanhefte: +++ Aktualisierung des SIMPLEX-Fernbusfahrplans mit Fernbussen durch den Harz von SIMPLEX Mobility (Stand: 05.05.2019)

3. Pressemitteilung des ZVSN: Mehr Busse und HATIX im Südharz „Harz-nah-dran“ - Mit dem ÖPNV den Harz entdecken (Stand: 05.05.2019)

Die Marketingkampagne des Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) für das verbesserte Linien-Busangebot im Südharz ist jetzt auch im Bereich Osterode/Bad Grund nicht mehr zu übersehen.

Wer in der Natur unterwegs ist oder zur Arbeit pendelt, trifft auf Großflächenplakate mit Motiven zur umweltfreundlichen Anreise mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der ZVSN möchte unter dem Thema „Harz-nah-dran“ für mehr Fahrten im Linienbus werben und so einen Beitrag zur Reduzierung des Individualverkehrs leisten.

Personen, die im Internet unterwegs sind, entdecken zudem freundliche Bannerwerbung auf dem Portal ihrer Heimatzeitung. Ein Radiospot informiert über die Vorteile des ÖPNV für Familien. Plakatwerbung und Wandervorschläge werden in öffentlichen Einrichtungen und bei den touristischen Partnern vorgehalten. Eine Verteilung der Fahrpläne an die Haushalte in Bad Grund, Osterode und Clausthal-Zellerfeld komplettiert die Kampagne.

Unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Politik, Verkehrsunternehmen und Verbänden hat der ZVSN am 3. Mai in Bad Grund als besonderen Hingucker einen der Kampagne angepassten Linienbus der Verkehrsgesellschaft Südniedersachsen mbH vorgestellt, der insbesondere in den Bereichen Bad Grund, Osterode und Clausthal-Zellerfeld unterwegs ist.

„Unser Beitrag zum Klimaschutz ist eine umweltfreundliche Mobilität, mit der wir auch jene Bürger*innen sensibilisieren möchten, die derzeit noch nicht zu unseren Kunden zählen. Mit der Website www.harz-nah-dran.de zeigen wir, dass der Linienverkehr in der Region bereits deutlich aufgewertet wurde. Nun geht es darum, dass die von vielen Menschen eingeforderten zusätzlichen Fahrten auch genutzt werden“, so Michael Frömming, ZVSN-Verbandsgeschäftsführer.

Neben den Pendler*innen zählen Gäste der Region zur Zielgruppe der ZVSN-Marketingkampagne. Für den ZVSN spielen die touristischen Verkehre insbesondere auch mit Blick auf die derzeit geführte Diskussion zur Einführung von HATIX in den Kommunen entlang der Buslinien eine wichtige Rolle. „Der ZVSN wird – sofern die Vertragsverhandlungen zwischen der HARZ AG und den Kommunen im Landkreis Göttingen abgeschlossen sind – für das Jahr 2020 eine einmalige Übernahme der HATIX-Gebühren übernehmen. Für den Bereich des Südharzes ist HATIX eine sehr positive Entwicklung, um den Tourismus in unserer Region weiter nach vorne zu bringen“, so Christel Wemheuer, Erste Kreisrätin und Vorsitzende der ZVSN-Verbandsversammlung.

„Wir machen nicht Halt am Südharz mit unseren Bemühungen für eine klimafreundliche Mobilität. Auch in anderen Bereichen der Landkreise Göttingen und Northeim informieren Kampagnen über unsere neuen Angebote“, so ZVSN-Geschäftsführer Frömming.

Die ZVSN-Marketingkampagne im Südharz flankiert die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Bahn AG, dem Nationalpark Harz und verschiedener Umweltverbände, die seit vielen Jahren unter dem Motto „Fahrtziel Natur“ den Harz bundesweit als Reiseziel zum „Urlaub ohne Auto“ bewirbt.

Weitere Informationen zu den zusätzlichen Fahrten-Angeboten im ZVSN-Gebiet entnehmen Sie bitte auch unseren Pressemeldungen auf www.zvsn.de.

Mit freundlichen Grüßen i.A.
Ute Reuter-Tonn Marketing Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) Neu: Jutta-Limbach-Str. 3 37073 Göttingen
Tel.: 0551 / 389 48 - 12 Fax: 0551 / 389 48 - 32
E-Mail: zvsn@zvsn.de oder ute.reuter-tonn@zvsn.de
Internet: www.zvsn.de und www.harz-nah-dran.de

4. Kreistagssitzung am 23.05.2019 in Göttingen: Antrag auf Schaffung einer Schienendirektverbindung zwischen Osterode und Göttingen - Stellungnahme der Initiative (Stand: 19.05.2019)

Am 23.05.2019 soll folgender Antrag der Gruppe SPD/GRÜNE/FWLG vom 11.03.2019 beschlossen werden "Schaffung einer Direktverbindung auf der Schiene zwischen dem Oberzentrum Göttingen und der Stadt Osterode am Harz"
Antrag: https://sessionnet.krz.de/kreis_goettingen/bi/si0057.asp?__ksinr=6446

Stellungnahme der Initiative:
Die Forderung nach direkten Zügen Osterode - Göttingen führt zum Abhängen anderer Regionen
Natürlich kann man direkte Züge aus der ex-Kreisstadt in die neue Kreisstadt fordern. Man muss sich nur über die Konsequenzen im Klaren sein, und das bitte möglichst vor dem Beschluss.
Eine umgehende oder möglichst rasche Umsetzung der Forderung ist nur im Rahmen der vorhandenen Infrastruktur möglich. Das führt zu Verschlechterungen im Angebot.

Festzustellen ist hierzu:
1. Die Züge aus Osterode nach Göttingen müssen in Herzberg "Kopf machen" (in Österreich sagt man dazu "stürzen"), also die Fahrtrichtung wechseln. Zeitaufwand 3-4 Minuten, also exakt die Zeit, die bisher für das Umsteigen zur Verfügung steht. Ein Fahrzeitgewinn ist nicht möglich, allenfalls etwas mehr Bequemlichkeit und die Gewissheit, auf alle Fälle nach Göttingen zu kommen, weil man keinen Anschlusszug braucht. Den brauchen dafür dann andere: Nordhausen, Ellrich, Walkenried, Bad Sachsa... Auch in der Gegenrichtung muss die Fahrtrichtung gewechselt werden.

2. Gegenwärtig fährt nur jeder zweite Zug aus dem Südharz nach Göttingen durch, ebenso umgekehrt. Dies liegt an der LNVG-seitigen Bevorzugung der Relation Bad Harzburg - Göttingen, die beim Wegfall der IC-Halte in Northeim eingerichtet wurde und nun dafür sorgt, dass man bei jedem zweiten Zug in Northeim umsteigen muss. Insoweit stehen für die Relation Osterode - Göttingen und zurück Züge nur alle 2 Stunden zur Verfügung.

3. Dies sind jedoch die derzeit von Nordhausen nach Göttingen und zurück verkehrenden Züge. Sie müssten den durchgehenden Zügen von/nach Osterode geopfert werden. Wie beim "Highlander": Es kann nur einen geben.

4. Da der Zug aus Richtung Nordhausen aktuell um .24 in Herzberg ankommt und um .26 nach Göttingen weiterfährt, muss der Osteroder Zug auch um .26 abfahren, um Anschlüsse in Göttingen nicht zu gefährden. Für den Übergang aus Nordhausen stehen somit nur 2 Minuten zur Verfügung - zu wenig, da ja noch die Unterführung genutzt werden muss. Ergo müsste entweder der Nordhäuser Zug vorverlegt werden, was wegen der Kreuzung in Ellrich nicht geht, oder aber der Göttinger Zug später abfahren, was wiederum wegen der Anschlüsse und Streckenbelegung ab Northeim nicht geht. Außerdem würde die eine Unsicherheit (klappt es von Osterode mit Umstieg nach Göttingen) durch die andere (klappt es aus Nordhausen mit Umstieg nach Göttingen) ersetzt, und dies für den deutlich größeren Personenkreis.

5. In der Gegenrichtung ist es noch knapper. Ohne Eingriffe in das Fahrplangefüge ist das alles also nicht machbar. Fahrzeiten verlängern sich.

6. Zusatzzüge Osterode - Göttingen wären zwar ganz nett, sind aber wegen der Infrastruktur Osterode - Seesen gar nicht durchführbar. Hier geht nur ein Stundentakt. Osterode ist kein "Bahnhof", sondern nur eine Haltestelle. Die Züge müssen also bis/ab Gittelde verkehren, was aber gar nicht geht.

Fazit:
In der bestehenden Infrastruktur ist die Einrichtung durchgehender Osteroder Züge nur möglich, indem die durchgehenden Nordhäuser Züge abgehängt werden. Das ist absolut nicht hinnehmbar.

Es geht schon, aber dafür muss erheblich investiert werden

Man kann das Problem lösen, indem man in Herzberg kuppelt und flügelt, d.h. der von Göttingen kommende Zug wird in Herzberg in einen Zugteil nach Nordhausen (sofortige Weiterfahrt) und einen Zugteil nach Osterode geteilt. Umgekehrt wird der von Nordhausen kommende Zug an den bereits aus Osterode angekommenden Zug angehängt, die Züge fahren gemeinsam nach Göttingen.

Das setzt voraus, dass

a) in Herzberg der Bahnhof entsprechend umgebaut wird (Zwischensignale, ggf. Ein- und Ausfahrt Osterode auch über Gleis 2) und
b) das Umlaufproblem gelöst wird, denn wenn der Osteroder Zug gen Göttingen entschwindet, muss ja ein anderer nach Braunschweig fahren.

Beim aktuellen 2-Stunden-Takt treffen sich in Herzberg aber nun gerade die "unpaarigen" Züge, d.h. ein bloßes "Tauschen" der "Einheiten" geht nicht, weil immer dann, wenn ein Zug nach Göttingen fährt, der jeweilige Gegenzug von Bodenfelde kommt, ergo keinen Zugteil von Göttingen hat, der nach Osterode weiterfahren kann. Es müsste also immer eine Einheit in Herzberg den Takt überspringen - sehr teuer und personell kaum darstellbar.
So was funktioniert, siehe Ottbergen, nur beim Stundentakt.

Auch dies liegt mithin in ferner Zukunft. Naheliegender, aber nicht gefordert wären folgende Dinge:

1. Endlich Einführung des Stundentakts Herzberg - Seesen auch am Wochenende - schon das würde die Anbindung von Osterode spürbar verbessern (Sonntag aktuell immer 2 x Umsteigen erforderlich!)
2. Verstärkung der Buslinie Osterode - Dorste - Berka - Katlenburg Bahnhof und zurück Mo-Fr im Berufsverkehr, denn das würde für Osteroder Pendler im Gegensatz zum Umweg über Herzberg tatsächlich bis zu 10 Minuten Fahrzeitgewinn bedeuten.
Michael Reinboth

 


zur Startseite